Von einer Überraschung möchte Trainerin Marion Fenn nicht sprechen. Dafür hat die Trainer der Frauenhandballerinnen des TSG Offenbach-Bürgel schon zu viel gesehen. Als Spielerin, als Trainerin. Nach 28 Jahren weiß sie, dass sich Erfolge nicht über Nacht einstellen, nicht aus „heiterem Himmel fallen“, wie sie sagt. Doch manchmal stellt er sich schneller ein, als die abgeklärte Skepsis einer erfahrenen Spielerin geglaubt hätte. So wie in dieser Saison.
Letztlich war es eine knappe Sache. Erst am vorletzten Spieltag konnte sich die TSG die Meisterschaft in der Bezirksoberliga Offenbach-Hanau sichern. Drei Punkte machten den Unterschied. Zwei Siege mehr und je ein Unentschieden und eine Niederlage weniger, sicherten den Aufstieg vor den Verfolgern des HSG Oberhessen. Nur drei Jahre, nachdem sie in die Bezirksoberliga aufgestiegen sind, verlassen die TSG-Damen diese wieder – in Richtung der immerhin fünftklassigen Landesliga.
Ab kommender Saison mit Spielertrainerin
„Der Aufstieg war schon in naher Zukunft in Planung“, sagt Marion Fenn. Die TSG-Handballerinnen sind ambitioniert, wenn auch nicht übermütig. Als Fenn vor sieben Jahren die erste Mannschaft übernahm, hatte man sich im Verein darauf verständigt, eine kontinuierliche Entwicklung nach oben anzustreben. Fenn musste dafür einen Schritt zurück machen. Denn sie war bereits in allerhöchsten Handballkreisen aktiv.
Fenn begann zwar ihre Karriere in der Jugend bei der TSG Offenbach-Bürgel, wechselte aber bald in höhere Gefilde. Mit Walldorf spielte sie in der dritten Liga, stieg später mit der HSG Sulzbach/Leidersbach sogar in die erste Liga auf, wo sie zwei Jahre spielte, ehe der Verein in die Insolvenz ging und in der viertklassigen Oberliga neu anfangen musste. Inzwischen spielt Sulzbach wieder 3. Liga und bis zur letzten Saison war Fenn dort, neben ihrer Trainertätigkeit in Bürgel, noch als Spielerin aktiv.
Ab der kommenden Saison wird die Trainerin auch als Spielerin wieder für die TSG auf dem Feld stehen. Der schnelle Erfolg bedeutet auch eine Herausforderung. „Denn zwischen Bezirksober- und Landesliga ist ein Riesenunterschied. Was die Physis angeht, die Schnelligkeit, die Kondition.“ Und ob der Kader dafür schon bereit ist, muss sich erst noch zeigen.
„Die anderen Vereine haben viele erfahren Spielerinnen“, sagt Fenn. Das gilt es auszugleichen. Deshalb wird das Team aufgestockt. Aus der A-Jugend werden zwei Spielerinnen dazustoßen, quasi eine Blutauffrischung. Die Erfahrung höherklassigen Handballs bringt Fenn aufs Feld. Und zusätzlich sollen zwei weitere Spielerinnen mit Drittliga-Erfahrung zur TSG stoßen.
Ansonsten aber will Fenn vor allem weiter auf die Entwicklung ihrer Spielerinnen hinwirken. „Wir haben keine Leistungsträgerinnen, sondern verschiedene Säulen, auf denen das Team aufbaut.“
Bericht: Frankfurter Rundschau
Autorin: Danijel Majic
Bild: Renate Hoyer