Blaue Karte, letzte 30 Sekunden, kein Leibchen, drei Angriffe Pause für Verletzte und sechs Pässe bis zum Abpfiff des passiven Spiels – am 1. Juli treten die neuen IHF-Regeln in Kraft.
Die Neuregelungen im Einzelnen:
Siebter Feldspieler statt Torwart:
Künftig muss ein siebter Feldspieler nicht mehr mit einem andersfarbigen Trikot oder Leibchen als Torwart gekennzeichnet sein. Dann darf er oder sie aber auch nicht mehr die Aufgaben des Torwarts erfüllen und zum Beispiel den Sechs-Meter-Raum betreten – sonst gibt es einen Strafwurf. Es ist allerdings weiterhin erlaubt, einen siebten Feldspieler als Ersatz-Torwart zu kennzeichnen, der dann auch in der Abwehr den Torraum betreten darf.
Im Jugendbereich des DHB wird diese Regelung unterhalb der B-Jugend nicht angewendet, dort gilt weiter, dass Spielerwechsel nur bei Ballbesitzt möglich sind. Bei B- und A-Jugend sowie in allen Seniorenligen des DHB kommt diese Regel zur Anwendung.
 Verletzte Spieler:
„Als Konsequenz aus vergangenen Turnieren, wo scheinbar verletzte Spieler versuchten, den Spielfluss des Gegners dadurch zu unterbinden, dass sie eine medizinische Behandlung forderten“, so die IHF, hat die Regelkommission folgende Änderung beschlossen: Die Zahl der Behandlungen auf dem Feld soll reduziert werden, nur in berechtigten Fällen sollen die Schiedsrichter Offizielle der Mannschaften aufs Feld lassen. Wird er auf dem Feld behandelt, muss der verletzte Spieler allerdings drei Angriffe seiner Mannschaft auf der Bank pausieren, ehe er/sie wieder aufs Feld darf. Seine Mannschaft muss den freien Platz mit einem anderen Spieler auffüllen. Diese drei Angriffe werden von den Spieloffiziellen überwacht. Betritt der Spieler das Feld früher, erhält er/sie eine Zwei-Minuten-Strafe wegen falschen Wechsels. Von dieser Regel ausgenommen sind zwei Fälle. Erstens Behandlungen von Torhütern nach Kopftreffern und zweitens, wenn der Gegenspieler nach einem Foul eine progressive Bestrafung (gelbe Karte, zwei Minuten, rote Karte) erhält, darf der Spieler/die Spielerin auf dem Feld bleiben.
„Wir hatten zu viel Hollywood“, beton auch Jürgen Rieber, diese Regel wird für weniger Unterbrechungen sorgen. Nach einem Beschluss des DHB-Bundesrates gilt diese neue IHF-Regel nur für die 1., 2. und 3. Liga Frauen/Männer sowie die A-Jugend-Bundesligen männlich weiblich.
Praktisch soll die Drei-Pass-Regel vom Zeitnehmertisch mit weißen Karten angezeigt werden. „Nach dem dritten Angriff wird die Karte wieder entfernt“, sagt Rieber.
Passives Spiel/Zeitspiel:
Wenn die Schiedsrichter das Zeichen für Zeitspiel geben, darf die angreifende Mannschaft noch sechs Pässe spielen, bevor abgepfiffen wird und der Gegner den Ball erhält. Diese sechs Pässe werden auch dann nicht unterbrochen, wenn die gegnerische Mannschaft einen Wurf abgeblockt hat oder die Angreifer einen Freiwurf erhalten. „Das passive Spiel ist eine der subjektivsten Regeln im Handball“, betont Rieber, der sich nun mehr Klarheit bei der Auslegung erhofft.
Besondere Regelungen für die letzten 30 Sekunden:
Bereits in der Männer- und Frauen-Bundesliga wird seit vergangener Saison die Neuregelung umgesetzt, die Fouls in den letzten 30 Sekunden betrifft – und nicht, wie 2010 von der IHF beschlossen, in der letzten Spielminute.  Begeht ein Abwehrspieler in diesem Zeitraum eine grobe Regelwidrigkeit oder blockiert zum Beispiel einen Anwurf oder Freiwurf, erhält er/sie eine rote Karte (ohne Zusatzbericht) und – das ist neu – die angreifende Mannschaft automatisch einen Siebenmeter. Allerdings wird nicht jedes Fouls in den letzten 30 Sekunden nach dieser Regel geahndet.
Blaue Karte:
Um allen Beteiligten nach einer roten Karte sofort klar zu machen, ob ein Zusatzbericht folgt, der dann im Falle der IHF eine Entscheidung der Disziplinarkommission nach sich zieht (automatische Sperre von mindestens einem Spiel), werden die Schiedsrichter in solchen Fällen nach der roten auch eine blaue Karte zeigen.
Bei seiner Lehrwarttagung vor sechs Wochen in Halberstadt hat der DHB alle Lehrwarte der Landesverbände bereits in den neuen Regeln vertraut gemacht. „Alle haben die ausführlichen Präsentationen mit Videobeispielen erhalten. Die Lehrwarte könne die neuen Regeln somit nun auf Landes- und Bezirksebene weiter schulen.“ Neben dem DHB-Schiedsrichterkader wurden auch alle Zeitnehmer und Beobachter ins neue Regelwerk eingeführt. Wie oben erwähnt, gilt dort die Regel zu verletzten Spielern aber nicht.
Zudem werden, so Rieber, „unsere DHB-Schiedsrichter auf alle Eventualitäten vorbereitet“. Als Service für alle Erst- und Zweitligisten bietet der DHB Besuche von Schiedsrichtern an, die neue Regeln und deren Auslegung in einem persönlichen Gespräch erläutern.
Quelle: http://dhb.de/detailansicht/datum/2016/06/14/artikel/wie-der-dhb-die-neuen-ihf-regeln-von-oben-nach-unten-schult.html