Bericht aus der Offenbach-Post: 23.02.2019
HANDBALL Trainer Andreas Kalman treibt den Oberligisten TSG Bürgel voran / „Passt alles zusammen“
„Frankfurter Bub“ mit Offenbacher Klub auf Titelkurs
Offenbach – „Ich bin ein Frankfurter Bub und stehe dazu. “ Handball-Trainer Andreas Kalman muss bei dieser Aussage selbst lachen und verweist auf die vielen kleinen Sticheleien, in die er in seinem Klub TSG Bürgel involviert ist. VON HOLGER APPEL
Klar, er ist Fan des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt und hat viele Jahre auch gerne Partien des FSV Frankfurt am Bornheimer Hang besucht.
„Alleine mit diesen Tatsachen hat man hier schon Spaß. Ein wenig Rivalität zwischen Offenbach und Frankfurt ist schön, sie gehört einfach dazu, ist letztlich aber hier bei uns nie ernst gemeint“, ergänzt er fröhlich. Und kommt im nächsten Moment vom alles überstrahlenden Fußball auf seine Sportart und seinen Klub. „Letztlich fühle mich hier bei den Handballern in Bürgel sehr, sehr wohl. Die Jungs ziehen klasse mit – selbst bei Trainingseinheiten zu ungewöhnlichen Zeiten am Samstagmorgen. Ich genieße insgesamt die Nähe in diesem familiären Verein, feiere auch selbst sehr gerne mit – das passt einfach zusammen.“
Das scheint in der Tat so zu sein: Der aus dem Frankfurter Stadtteil Nied stammende und heute mit seiner Frau sowie den fünf und sieben Jahren alten Töchtern in Seckbach wohnende Kalman ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Handballmannschaft der Stadt Offenbach zum Titel und womöglich erstmals in die 3. Liga zu führen. „Wir haben eine junge Mannschaft, die sich gut entwickelt. Wir wollen die Möglichkeit gerne beim Schopfe packen“, sagt Kalman vor dem Spitzenspiel am Sonntag, 17.30 Uhr, gegen den Tabellendritten HSG Kleenheim/Langgöns. Er gibt aber auch deutlich zu verstehen, dass die Welt nicht untergeht, wenn das in diesem Jahr mit dem Aufstieg noch nicht klappt. Dann aber spätestens 2020, wieder mit ihm auf der Bank. Er hat für die nächste Saison in Bürgel zugesagt, unabhängig von der Ligazugehörigkeit.
Bürgels Teammanager Sven Lenort ist hellauf begeistert vom Trainer, bezeichnet ihn als „Handballverrückten mit großer Detailverliebtheit und Menschlichkeit“. Lenort erklärt: „Andreas hat einige Jahre nicht in der Oberliga trainiert, kennt aber jeden gegnerischen Spieler und kann unsere Jungs entsprechend super einstellen. Und er hat es geschafft, jeden unserer Spieler so gut kennenzulernen und zu analysieren, dass er für jeden einzelnen den besten Weg findet – das ist überragend.“
Und Kalman, dessen Vater aus Ungarn stammt, weiß, wie Aufstieg geht. Er hat bereits 2015 den TV Gelnhausen als Meister der hessischen Oberliga in die 3. Liga geführt. Mit dem TVG hat er auch den Klassenerhalt geschafft, ehe er im November 2017 aus „eigenen Stücken zurückzog, da die Mannschaft einen neuen Impuls im Kampf um den Klassenerhalt nötig hatte“, wie er berichtet. Der Inhaber der Trainer-A-Lizenz hatte zudem vor rund zehn Jahren bei den Frauen der TSG Ober-Eschbach den Neuaufbau in der 3. Liga vorangetrieben und die A-Jugend der TSG Münster 2011 bis ins deutsche Viertelfinale gegen die Füchse Berlin geführt.
Als Aktiver hat Kalman für Münster und Ober-Eschbach insgesamt acht Jahre in der 2. und 3. Liga gespielt. Seine Karriere hatte er vor rund zwölf Jahren nach einem Kreuzbandriss im Trikot des TV Petterweil beenden müssen. „Das war bitter, aber ich hatte zuvor eine tolle Zeit im Handball. Da ist alles okay, damit kann ich gut leben“, sagt der „Frankfurter Bub“ und hofft auf den nächsten Höhepunkt als Trainer. Bei der TSG Bürgel, in Offenbach.