Presse - TSG Bürgel fordert: „Spiele nur nach vier Wochen Training“

Offenbach – Der Hessische Handballverband (HHV) will weiterhin am 9./10. Januar 2021 den Spielbetrieb aufnehmen und hat eine Verschiebung auf Februar abgelehnt. Die TSG Bürgel, die mit den Männern und den aufgestiegenen Frauen in der Oberliga startet, kann diese Vorgabe nicht nachvollziehen. Das stellt Abteilungsleiter Thorsten Wollek klar.

Der Verband will Anfang Januar wieder Handball spielen lassen. Was halten Sie davon?

Wir von unserer Seite finden die Haltung des HHV sehr schade und können nicht verstehen, wie ein Spielbetrieb am 9./10. Januar angefangen werden soll. Es wurde ja ein Vorschlag von den Oberligavereinen erarbeitet, in dem der Start Mitte Februar gewesen wäre. Wir können nicht nachvollziehen, warum man nicht auf die Vereine, die ja immerhin spielen müssen, eingegangen ist.

Was bedeutet das für Männer und Frauen der TSG in der Oberliga?

Wir haben für uns entschieden, dass wir keinen Spielbetrieb starten, wenn wir nicht mindestens vier Wochen vorher gemeinsam trainieren können. Daher glauben wir auch nicht an einen regulären Start im Januar und werden auch die Spiele für unsere Oberliga-Mannschaften gegebenenfalls zum geplanten Start verlegen müssen. Wir warten hier natürlich auch die Vorgaben der Bundesregierung und der Ministerpräsidentenkonferenz ab und stimmen unser weiteres Vorgehen dann immer kurzfristig intern ab.

Was machen die Spieler denn zurzeit?

Sie halten sich jetzt mit individuellen Trainingsplänen daheim fit und machen weiterhin auch jede Woche über Zoom eine gemeinsame Videotrainingseinheit. Allerdings ist man von einem handballspezifischen Training in der derzeitigen Lage weit entfernt und dies ist vor dem Start unbedingt nötig, gerade um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Ziel soll es sein, zumindest eine vollständige Halbserie zu spielen. Ihre Einschätzung?

Die gewünschte Halbserie des HHV sehen wir eher skeptisch. Wenn man überlegt, dass eine Halbserie aus 14 Spielen pro Mannschaft besteht, stellt sich die Frage, wie bei einer Quarantäne einzelner Mannschaften diese Menge bewältigt werden soll.

Wie weh würden Spiele ohne Zuschauer tun?

Es steht natürlich außer Frage, dass Spiele ohne Zuschauer wehtun. Der Handballsport lebt von den Emotionen und der lautstarken Unterstützung der Fans und dies würde bei Spielen ohne Zuschauer natürlich den Heimvorteil enorm mindern.

Thema Finanzen…

Über den finanziellen Schaden braucht man hier gar nicht zu sprechen. Finanziell ist im Handball der Großteil auf den Einnahmen bei den Heimspielen aufgestellt und wenn sie wegfallen, dann fehlen sie natürlich bei der Deckung der anfallenden Kosten. Dies ist ein Problem, mit dem sicherlich alle Vereine in der Region zu kämpfen haben.

Was ist denn mit den Jugendmannschaften? Haben sich schon Kinder abgemeldet?

Für unsere Jugendabteilung ist dies auch eine riesige Herausforderung. Die Folgen der Pandemie werden sich aber erst zeigen, sobald wir wieder mit dem Training starten können. Derzeit ist die Abmeldungswelle nicht absehbar, aber es melden sich halt vor allem auch keine neuen Kinder an.

Das Gespräch führte Holger Appel.

Bericht der Offenbach-Post vom 24.11.2020